#8 Advent: Einen Tag lang pädagogisch wertlos handeln

December 8, 2017

 

 

Hallo, liebe Leserin!

 

Es ist Advent. Vermutlich sehnst du dich aber nach stillen und besinnlichen Stunden vergeblich und bist sogar jetzt im Dezember noch gestresster als sonst. Schulweihnachtsfeier, Kindergartenwichteln, Kekse backen und Geschenke kaufen – bestimmt ist deine To-Do-Liste lang und der Kopf voll. Dann habe ich einen Vorschlag: zum Runterkommen in der anstrengendsten Zeit des Jahres empfehle ich, ganz bewusst einen total faulen und pädagogisch wertlosen Tag einzulegen – nur für dich und am besten gleich morgen. Wie das geht? Ganz einfach, ich erkläre es dir:

 

Ich selbst habe nämlich drei Kinder im Alter von eineinhalb und sechs Jahren und bin seit Geburt meines ersten Sohnes von morgens bis abends damit beschäftigt, eine gute Mutter zu sein. Das stresst ziemlich, wie ihr sicher bestätigen könnt. Und im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass das mit der sensiblen und achtsamen Erziehung für mich so ist wie mit der gesunden Ernährung. Wenn ich mich wochenlang von Gemüse und vollwertigem Getreide ernähre und jeden Schokoriegel außen vorlasse, bekomme ich nach ein paar Wochen den totalen Rappel und haue mir an drei aufeinander folgenden Tagen beim örtlichen Fastfood-Spezialisten Burger und Vanilleshakes rein, bis mir übel und mein schlechtes Gewissen gigantisch groß wird.

 

Deshalb bin ich ein Fan davon, den Zusammenbrüchen kulinarisch wie erziehungstechnisch vorzubeugen. Und das geht am besten mit einem bewusst unpädagogischen und faulen Tag, den ich alle vier Wochen zelebriere.

 

Und der geht so:

 

  • Wenn du schon im Büro nicht frei machen kannst, leg heute ein paar Pausen mehr ein, trink drei Portionen deines Lieblingskaffees, zieh einen feinen Schokoriegel aus dem Automaten und quatsch nach der Mittagspause noch gemütlich mit einem Kollegen. Wenn du keinen Job hast, sondern zuständig für Haushalt und Co bist, lässt du heute die Wäsche liegen und kümmerst dich auch sonst um nichts. Stattdessen haust du dich aufs Sofa, liest eine Zeitschrift, guckst deine Lieblingsserie oder schmökerst in einem schönen Buch.

  • Bevor die Kinder aus Kindergarten oder Schule kommen, schiebst du zum Mittagessen Pommes in den Ofen und stellst eine Portion Ketchup auf den Tisch. Pfeif für heute auf Vitamine und scher dich nicht um gesundes Essen.

  • Wenn die Kinder heute mal keine Lust aufs Kinderturnen haben oder nicht zum Gitarre-Unterricht wollen, lass sie zuhause und spar dir die Fahrerei. Natürlich müssen die Kinder wissen, dass heute ein besonderer Tag ist und das nur ausnahmsweise gilt...

  • Auch wenn du weißt, dass die Kinder nachmittags dringend raus müssten, du aber keine Lust hast, mit ihnen auf einem kalten Spielplatz rumzuhängen, lass es für heute sein. Schieb eine DVD in den Rekorder und halte in der Zeit ein Schläfchen oder manikür dir in Ruhe die Nägel.

  • Wenn dir heute mal in einer turbulenten Minute alles zu viel wird und du einen richtigen Schrei loslassen möchtest, gönn dir das ganz bewusst. Vergiss für heute deine Vorsätze, die Kinder immer ruhig und achtsam anzusprechen und ihnen alles zu erklären. Sag laut Sätze wie: „Nein heißt nein“ oder „weil es eben so ist!“

  • Beim Abendessen bist du genervt von umfallenden Bechern und Kindern, die ohne Manieren essen? Dann übergib dem Vater der Kids das Kommando und verzieh dich mit deinem Teller gemütlich in dein Arbeitszimmer oder in den Keller. Heute isst du mal in Ruhe und ohne Sauerei.

 

Na, wie wäre das? Wir Mütter stehen dauernd unter Druck und meinen, immer alles richtig machen zu müssen. Dabei nimmt es uns keiner krumm, wenn wir mal nicht so perfektionistisch sind. Jetzt, im besinnlichen Advent, kannst du anfangen, zu üben. Wenn du den faulen und unpädagogischen Tag einmal im Monat machst, fällt es dir schon bald leichter, auch im Alltag mal fünf gerade sein zu lassen. Wenn wir uns um uns selbst kümmern und uns die Zeit schenken, die uns gut tut, machen wir gleichzeitig auch etwas Gutes für unsere Familie. Eine Mutter, die entspannt und ausgeglichen ist, ist Kindern und Partnern lieber als ein pickobello Haushalt und selbstgebackene Plätzchen auf der Schulweihnachtsfeier.

 

Und nun wünsche ich dir, dass du in der schönen Vorweihnachtszeit ein paar besinnliche Stunden für dich selbst findest. Sag doch die eine oder andere Weihnachtsfeier ab und verschenk anstelle von Spielzeug und Kleinkram einfach nur gemeinsame Zeit mit dir.

 

Alles Liebe von Laura

 

Mehr von Laura findet ihr auf ihrem Blog Heute ist Musik!

 

 

 

 

 

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