Morgen kannst du gestern nicht nachholen und später kommt schneller als du denkst. Warum wir weniger jammern und viel mehr genießen sollten.

August 14, 2017

Der kostbarste Schatz einer Mutter, sind die, leider viel zu schnell verfliegenden, Kinderjahre. Dennoch können wir den Moment oft gar nicht richtig genießen, weil wir im Alltagsstrudel voller Hektik, Müdigkeit und Stress oft den Blick für das Wesentliche aus den Augen verlieren.

 

Viel zu schnell werden die Babies und Kleinkinder zu großen, eigenständigen Personen, die uns von heute auf morgen nicht mehr brauchen (zumindest nicht mehr so sehr wie in der Kinderzeit). Spätestens dann erkennen wir, dass wir alles hätten mehr genießen sollen: die Zeit als die Kinder klein waren, die Familie so quirrlig und voller Leben,  wir noch jünger, der Popo knackiger, das Leben leichter und die Falten weniger. Da wo im Nachhinein betrachtet ja irgendwie alles ganz gut war.  In der Gegenwart fällt es uns oft schwer, die Dinge so zu nehmen wie sie sind. Meist haben wir stattdessen etwas an unserer aktuellen Situation auszusetzen, wollen es immer igendwie anders haben. So kreisen unserer Gedanken vielmals um bestimmte Wunschvorstellungen und Erwartungen, die in der Zukunft liegen, mittels derer alles ganz einfach "besser" sein würde:

 

...Wenn das Baby erst mal ein Jahr ist und gehen kann, dann wird’s einfacher

...Wenn das Kind in den Kindergarten kommt, dann habe ich wieder mehr Zeit für mich

...Wenn ich wieder in diese Jeans rein passe, dann werde ich mich wieder wohl fühlen

...Wenn, wenn, wenn...

 

Unsere gesamte Energie fließt in diese Zukunftserwartungen, in denen irgendwie alles leichter und schöner werden soll. Damit geben wir uns selbst das Gefühl immer noch nicht am Ziel zu sein, dass es nicht gut genug ist, so wie es ist.

 

Noch dazu bereuen wir vieles, was wir vermutlich verpasst oder verloren haben: Die Freiheiten, die Selbstbestimmtheit, man hätte wohl noch mehr Party feiern und mit dem Partner öfter verreisen sollen. So manch eine Mama trauert sogar zerplatzten Träumen hinterher.

 

Schade eigentlich. Wir verpassen dabei den Moment. Den Moment, an den wir in der Zukunft in die Vergangenheit zurück blicken und sagen werden: Es war eigentlich genau gut so wie es war, es war ein Teil meines Lebens und ich bereue es, dass ich es nicht mehr genossen habe.

 

Es gibt nur jetzt - jetzt!

 

Versuche dir mal folgendes bewusst zu machen, wenn du dich mal wieder voll im Alltagsgewühl verfangen hast, dich irgendwie alles überfordert, wenn du gerade ziemlich unentspannt und mit den Gedanken irgendwo, nur eben nicht im hier und jetzt bist:

 

Das Baby ist nur ein Jahr ein Baby und so intensiv wie in dieser Zeit braucht es dich nachher nie mehr, momentan bist du sein ein und alles, es ist glücklich bei dir und fühlt sich wohl.

 

Das Kleinkind ist nur wenige Jahre klein und will oft ganz nah bei dir sein, bei dir schlafen, mit dir kuscheln, braucht dich in den unterschiedlichsten Phasen mal mehr, mal weniger intensiv, ist bei dir anders als bei allen anderen, weil es eben bei dir so sein kann wie es ist, weil es sich zu 100% sicher und geliebt fühlt, egal wie es ist.

 

Das Kind ist nur wenige Jahre ein Kind, das dich um Rat fragt, dich braucht zum weiterentwickeln und groß werden, das gerne gemeinsame Aktivitäten mit dir unternimmt.

 

Auf einmal ist das Kind ein Teenager, es braucht dich nicht mehr (zumindest gibt es das nicht zu), es findet dich doof und langweilig, es wird erwachsen, es zieht aus.

 

Auf einmal ist es dann erwachsen und du siehst es alle paar Wochen. Es kommt dich besuchen, es ist noch immer dein Kind, aber es ist erwachsen und selbstständig (bestenfalls). Es umarmt dich zur Begrüßung. Bei dieser Umarmung kommen dir Erinnerungen an längst vergangene Tage, an denen du diesen Menschen in den Armen gewiegt hast. Du wirst dann nicht mehr daran denken, dass du vielleicht todmüde und genervt warst, dass deine Frisur ein Graus war oder du dir gewünscht hättest, dass du mal wieder Zeit für dich hättest. Stattdessen wirst du Tränen in den Augen haben, weil dich diese Erinnerungen ergreifen. Du wirst dir dann wahrscheinlich denken, dass die Zeit viel zu schnell vorbei gegangen ist und dass du es hättest einfach mehr genießen sollen.

 

Es sind nur Mini-Momente...

Also ich habe während der Babyphase viel gejammert. Ja es war anstrengend, ja ich war müde, aber im Nachhinein betrachtet, ist die Babyzeit nur so kurz und es sind Mini-kurze-Momente (im Verhältnis zu einem ganzen Leben als Frau), in denen man so richtig tapfer sein muss als Mama. "Er will einfach nicht schlafen, ich muss stundenlang mit ihm vor dem Haus das Wagerl herumschieben, wann schläft er endlich durch..."

Heute bin ich an dem Feldweg vorbei gekommen, an dem ich das kleine Kerlchen im Kinderwagen täglich, stundenlang hin und her geschoben hab. Ich weiß noch, wie mich das oft regelrecht genervt hat, dass er immer so viel tamtam braucht zum Einschlafen, dass ich ihn nicht einfach ins Bett legen konnte und er einfach schläft. Jetzt gehe ich da wieder vorbei, fast ein Jahr später, Kind schläft mittlerweile ohne Probleme ein und ich stelle fest, wie kurz die Zeit so eigentlich war. Und dass es doch so schön war! Als Baby-Mama (oder vielleicht auch nur ich) hat man immer die Befürchtung es bleibt so oder man müsse was tun, damit es sich zum Besseren verändert. Derweil....kommt alles von alleine mit den Kinderlein. Diese Akzeptanz und Gelassenheit hätte ich damals gerne gehabt. Im Nachhinein ist man schlauer.

 

Sei es wie es sei. Viel Schuld daran hat der ständige Begleiter namens Müdigkeit. Hardcore wie viel müde man doch ist. Wär ich gut im Erfinden, würde ich einen Mama-Munterspray kreieren. Wenn man als frischgebackene Mama bzw. im ersten Jahr nicht so verdammt müde wäre, dann wäre alles viel leichter zu meistern und dementsprechend könnte man auch mehr genießen. Aber da sind wir wieder beim "wenn...."

 

Jedenfalls genieße ich heute viel bewusster die Zeit, auch an harten Tagen gilt dies als mein Vorsatz. Die Zeit geht so schnell vorbei. Der Blog war und ist mir da auch immer eine wichtige Hilfestellung.

 

Durch den Blog, komme ich in Kontakt mit vielen unterschiedlichen Mamas, genieße den Austausch, habe neue Vorbilder, ich verändere mich, nehme Dinge anders wahr, ich nehme Situationen so wie sie sind und lerne immer mehr in meine Balance als Mama und Frau zu kommen. Ich genieße die Mutterschaft und das Familienleben so sehr, weiß aber mittlerweile auch wie wichtig es ist, auf mich selbst zu achten.

 

Achtsam sein.

Wenn ich von einer Situation genervt bin, etwas nicht so ist wie ich es mir vorstelle oder wenn ich gedanklich schon wieder viel weiter bin, dann versuche ich mir bewusst zu machen, dass alles gut ist, so wie es gerade ist. Das ist nicht immer leicht, aber dennoch sehr wichtig für mich geworden.


Eine sehr lesenswerte Mama-Bloggerin, Fräulein im Glück, hat dazu was richtig schönes geschrieben: „Entspann dich, du bist angekommen. Nimm dir einen Moment Zeit. Schau in dich hinein und nimm wahr, dass du angekommen bist, hier an dem Ort an dem du dich befindest, in diesem Moment. Spüre nach, wie angenehm es ist, wenn es nichts mehr zu tun gibt, kein Ziel, das du noch erreichen musst. Alles was gerade ist, ist genauso gut. Vielleicht ist nicht alles perfekt, aber schau doch wie viel du schon geleistet hast, wie gut du dieses Kind/diese Kinder bisher versorgt hast, wie weit sie schon sind, vielleicht wie selbstständig für ihr Alter. Du hast viele Probleme schon gelöst und viele schwierige Herausforderungen mit und ohne deinen Kinder gemeistert.“

 

Ich bin dankbar dafür, dass ich das Bewusstsein schon heute dafür habe, jetzt, wo mein Kerlchen noch so klein ist und nicht erst „morgen“ wenn er 20 Jahre und bereits ausgezogen ist (heul und gar nicht vorstellen will).

 

Natürlich gibt es Stunden, Tage und Wochen in denen das nicht so gut gelingt. Alles darf sein und Platz haben, auch dass man mal frustriert, erschöpft und überfordert ist und dann eben nicht unbedingt genießen kann. Wichtig ist dann nur, sich wieder aufzurichten, auf das Wesentliche zu besinnen und darüber nachzudenken - woher kommt das jetzt?

 

Meist hat es nämlich etwas damit zu tun, dass man gerade selbst nicht unbedingt sehr achtsam mit sich umgeht!

 

Wenn ich alt bin möchte ich sagen: Ich liebe mein Leben genau so wie es war. Ich bereue nichts. Ich habe jede Phase meines Lebens so intensiv gelebt, wie es mir möglich war. Ich bin meinem Herzen gefolgt, war mutig und wild. Ich bin dankbar.

 

 

 

Mein Kind, ich liebe dich und ich genieße jede Minute mit dir!

 

 

 

 

 

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