One day baby…wirst du Mama sein. Was ich meiner schwangeren, besten Freundin gerne sagen würde. Über Veränderungen, Freundschaften und das große Glück Mama sein zu dürfen.

July 14, 2017

 

 

Bald ist es soweit. Meine beste Freundin wird zum ersten Mal Mama. Es kommt mir wie gestern vor, als wir beide als Singles in dieser wunderbaren Stadt lebten. Rund um die Uhr Zeit miteinander verbrachten. Wie wir zusammen gelacht haben bis uns die Bäuche weh taten, uns gegenseitig getröstet haben, wenn uns das Herz gebrochen wurde. Karten spielen bis in die Nacht hinein und dann noch im Bett gequatscht bis zum Morgengrauen, die Einsamkeit, die Nächte waren gemeinsam erträglicher. Wir waren so frei und hatten dennoch immer etwas an unserer Situation auszusetzen. Wir haben gefeiert als gäbe es kein Morgen, geredet und philosophiert, haben Serienmarathons veranstaltet und bestellten ständig Essen beim Lieferservice, weil wir keine Zeit mit kochen verschwenden wollten. Wir stärkten uns gegenseitig, der eine fand immer die richtigen Worte für den anderen, unsere Freundschaft, so wie sie war, war ein wunderschönes Erlebnis, das ich niemals missen möchte.

 

Und dann traf ich diesen Mann. Der Mann, der mir vom einen auf den anderen Tag eine riesen Portion Glücksgefühle bescherte. Der Mann, in den ich mich unsterblich verliebte. Der Mann, für den ich die wunderbare Stadt verließ. Der Mann, mit dem ich von diesem Zeitpunkt an zusammen lebte. Der Mann, der mir diese unendliche Geborgenheit gab, der zur Familie für mich wurde. Der Mann, mit dem ich eine Familie gründete. Der Mann, der mich auch heute noch schwach macht (und ebenso oft auf die Palme bringt) und mit dem ich vor allem eines gemeinsam habe – die unendliche Liebe zu unserem Sohn.

 

Und was bringen wunderbare Männer und Kinder? Definitiv viel Liebe, aber auch definitiv weniger Zeit für die beste Freundin.

 

Sobald ich Mama wurde, bemühte sie sich dennoch immer um den Erhalt unserer Freundschaft. Sie hatte Verständnis, dass ich Mama geworden bin und deshalb die Familie vorgeht. Verständnis für weniger Zeit.

 

Dennoch ist es nun mal der Lauf der Dinge, dass weniger gemeinsame Erlebnisse, auch weniger Nähe und daraus resultierend auch weniger Kontakt mit sich bringen. Man lebt sich auseinander. Führt unterschiedliche Leben. Ich war Mama, sie nicht. Unsere Gesprächsthemen waren zu dem Zeitpunkt wohl so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Man entfremdet sich. Die Freundschaft leidet.  Was blieb, waren einen Haufen wunderbarer Erinnerungen.

 

Und nun wird sie selbst Mama! Ein Abenteuer beginnt. Ich freue mich unendlich für sie. Ich freue mich, dass sie all die wunderbaren Dinge erleben darf, die man mit Baby bzw. Kind erleben darf, welche Gefühle dabei entstehen, die man unmöglich erklären kann. Es wird sich so vieles für sie verändern, sie selbst wird sich so sehr verändern, denn sie wird Mama.

 

Ich würde ihr gerne so viele Dinge sagen, die ich gerne gesagt bekommen hätte, sie warnen vor Dingen, die auf sie zukommen werden, sie schon aufmerksam machen auf die Dinge, die unbegreiflich schön sind mit dem eigenen Kind.

 

Ich würde ihr so gerne sagen, dass die Welt stehen bleibt, in dem Moment, wenn man das kleine Bündel zum ersten Mal in den Händen hält. Dass einem dabei die Spucke wegbleibt, man zu Tränen gerührt und stolz ist wie nie zuvor und dennoch von einer Angst ergriffen wird, die einem völlig neu ist.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass ein Geburtsvorbereitungskurs Nüsse bringt, weil sowieso alles ganz anders kommt. Stattdessen soll sie lieber einfach auf ihre Intuition und ihren Körper vertrauen, dann wird alles gut werden.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass die erste Zeit mit Baby hart ist, sehr hart. Dass man auf Wolke 7 schwebt vor Glück und sich gleichzeitig wie auf Droge fühlt, weil man sein neues Leben mit all den Dingen die jetzt plötzlich so zum Alltag dazugehören (noch) nicht begreifen kann.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass sie noch jedes Vollbad, jede Maniküre und jede „was ziehe ich heute an“-Debatte zelebrieren soll, weil es in naher Zukunft nicht mehr so viel Zeit dafür geben wird.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass sie bis zur Geburt noch um ihr Leben schlafen soll, dass sie jeden Tag bis spät in den Vormittag im Bett bleiben, Frühstück ans Bett holen und sich danach noch eine Tasse Tee vor dem Fernseher genießen soll. Das vitale Gefühl das man morgens einst hatte, verabschiedet sich für eine Weile. An die Stelle davon tritt eine dauerhafte Müdigkeit, welche niemals von ihrer Seite weichen wird. Zumindest nicht so bald…

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass ihr Körper niemals mehr so wird wie er einmal war, dass es „Wehwechen“, Dellen, Röllchen, Streifchen gibt, die für immer zu ihr gehören werden. Aber auch, dass sie deshalb nicht traurig oder gefrustet sein soll, da es einfach allen Mamas so geht, dass sie damit nicht alleine ist, stolz sein kann, dass ihr Körper ein kleines Menschlein geschaffen hat und dass das nun mal die Erinnerungsmerkmale daran sind.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass sie niemals mehr so unbeschwert ausgehen oder wohin fahren wird wie bisher, weil die Gedanken und Sorgen immer um das Kind kreisen. Egal wie weit man weg ist.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass sich die Liebe zu ihrem Partner verändern wird. Manchmal wird es beinhart sein und die neue Situation wird sie beide heftig auf die Probe stellen, aber es wird ihre Liebe und Zuneigung zueinander auch bereichern. Die Beziehung wird sich verändern, aber auf eine Art die sie jetzt noch nicht vermutet. Sie wird sich erneut in ihn verlieben, aber aus Gründen, die ihr jetzt möglicherweise ziemlich unromantisch erscheinen würden: wenn der Mann voller Hingabe mit dem Kind spielt, oder es zärtlich in den Schlaf wiegt, das Baby badet und es dabei auf seinen starken Händen trägt, … alles Dinge die das Herz einer Frau und Mutter zum Wallen bringen.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass sie in Zukunft mit Ängsten und Sorgen konfrontiert wird, Gefühle mit denen sie noch nie zuvor in Kontakt gekommen ist. Die Sorge um ein krankes Kind, die Sorge um das Kind das zum ersten Mal auswärts schläft, die Sorge um das Kind das schwierige Phasen durchlebt, die Sorgen um das Kind das zum ersten Mal in fremder Betreuung ist, die Sorge um das Baby, wenn es mal einen Moment nicht bei ihr ist.

 

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass sie neue Sehnsüchte entwickeln wird, vielleicht Sehnsüchte nach mehr Zeit für sich und wenn sie dann tatsächlich Auszeit hat, ihr Kind schrecklich vermissen wird.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass man unendlich ergriffen ist von einem Baby/ einem Kind, das man beobachtet wie es wächst und gedeiht, das sich ständig weiterentwickelt und größer wird und man gleichzeitig Freude und auch Bange hat, wenn es sich Stück für Stück, mal mehr mal weniger von einem distanziert, so lange bis es zu einem eigenständigen Menschen wird und die Mama nicht mehr braucht.

 

Ich würde ihr gerne den Stolz und die Freude erklären, die man als Mutter verspürt, wenn sich das Baby zum ersten Mal selbständig dreht, robbt, krabbelt, geht, wenn es zum ersten Mal Mama sagt, einen Zahn bekommt oder zu plappern beginnt.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass für alles zu wenig Zeit bleibt. Für den Haushalt, für Freizeit, für Freundschaften. Dass das aber ok ist und sie sich einfach nicht stressen soll, es so nehmen soll wie es gerade ist. Gelassenheit ist die Devise.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass sich in der ersten Zeit mit Baby auch ausschließlich nur mehr alles ums Thema Baby in ihrem Kopf drehen wird, dass sie manche Menschen nicht mehr verstehen werden, sie vielleicht verurteilen (meist Leute ohne Kinder). Und dass sie sich immer für ihre Entscheidungen rechtfertigen werden müssen wird und auch selbst ihre Entscheidungen ständig hinterfragen wird. Ich würde ihr gerne sagen, dass sie sowieso nie alles richtig machen kann und sie sich einfach von Anfang an auf ihr Bauchgefühl verlassen soll.

 

Ich würde ihr gerne sagen, dass sich in ihrem zukünftigen Leben alles nur mehr um Phasen drehen wird.

 

All das sage ich ihr jedoch nicht. Ich möchte sie weder verunsichern noch möchte ich ihr Angst machen. Ich kann ihr auch die Freude und das Glück nicht erklären. Sie wird es bald alles selbst erleben.

 

Dann hoffe und wünsche ich mir, dass ich ihre Gesprächspartnerin sein darf. Dass ich mich mit ihr über die Fortschritte ihres Babys freuen darf, dass ich Teil ihres wunderbaren, neuen Weges als Mama sein darf. Und dass wir dadurch vielleicht sogar wieder ein Stück näher zusammenrücken. Bis dahin wird es noch dauern. Die ersten Monate werden nur ihrer Familie gehören und dafür bringe ich ihr als Dank gerne das gleiche Verständnis und Geduld, wie sie mir bisher.

 

 

 

Du wirst die Mama-Welt rocken, ich glaub an dich!

 

 

 

 

 

 

 

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