Familienurlaubsglück – wovon man als Mutter so träumt, wie die Realität aussieht und wie ein gelungener Urlaub mit der ganzen Familie funktioniert

July 4, 2017

 

 

Juli 2016. Letztes Jahr im Sommer stand unser erster Familienurlaub in der Toskana an. Unser kleines Kerlchen war zu diesem Zeitpunkt gerade mal acht Monate geworden. Mein Partner und ich waren voller Vorfreude, malten uns unzählige schöne romantische Bilder im Kopf aus.

 

Eigentlich hätten wir es dort bereits besser wissen sollen...

 

Endlich etwas Entspannung vom Alltag, der Tapetenwechsel würde uns allen gut tun und einfach mal nichts tun müssen, ein wahrer Segen für Babyeltern. Ich würde mich jeden Tag an den hauseigenen Pool schmeißen und wieder mal ein Buch lesen. Ja genau haha. Abends würden mein Kerl und ich bei einem Glas Vino zusammensitzen und die schönen Sonnenuntergänge vom Haus am Hügel aus betrachten und am Tag das Lachen und die Freude unseres kleinen Mannes genießen.

 

Familienidyll par excellence. Und wo ist der Haken?

Ja genau - Der Realitätsbezug fehlt.

 

Was uns zu diesem Zeitpunkt nicht klar war ist, dass wir für diesen Familienurlaub sämtliche „Fehlentschentscheidungen“ getroffen hatten. Wir hatten unseren Urlaub so geplant wie immer, als wir "nur" Paar waren. Einfach dort hinfahren wo es uns gerade gefällt, schön essen gehen, ein paar nette Ausflüge machen, der Rest würde sich schon ergeben.

 

Haha. Nope.

 

Damit ein Familienurlaub wirklich auf familienartige Weise entspannt ist und man auch als Paar etwas davon hat, gehört eine gute Planung dazu. Das war mir aber leider erst nach dem Urlaub bewusst.

 

Fehler #1: Urlaubsziel Toskana.

Ist ja schön dort, aber eine Fahrtzeit von neun Stunden ist einfach zu viel mit Baby. Wir dachten damals, wir fahren einfach nachts dann schläft der Kleine. Nope. Falsch gedacht. Zuerst hatte der Wecker nicht geklingelt und wir kamen viel zu spät weg und dann war der Kleine so quitschvergnügt und aufgeregt, dass man mit ihm schon so bald einen Ausflug macht, auch die ganzen Lichter auf der Autobahn faszinierten ihn und er fand es deshalb besser einfach nicht mehr zu schlafen. Kind also, wie die Eltern, ab 2 Uhr nachts munter und nach ca. 1,5 Stunden Fahrtzeit seeeehr gelangweilt. Eine weitere Stunde Ablenkung gelang mit sämtlichen vorsingen, spielen und füttern, doch dann war es aus mit seiner guten Laune. Im Stop- and- go-Takt tuckerten wir in die Tosakana - aus neun Stunden wurden zwölf.

 

Hurrej!

 

Ein Horror, wie ihr euch vorstellen könnt. Genervt und müde kamen wir abends dort an und mussten uns erstmal alles babytauglich gestalten: Bettchen aufstellen, Fläschchenzeugs für die Nacht herrichten, Wickeln, waschen, usw.

 

Fehler #2: Ein Haus mieten.

Wir hatten uns ein Haus gemietet, statt im Hotel zu wohnen. Wir dachten uns, so haben wir mehr privatsphäre und müssen uns nicht nach bestimmten Hotel- bzw. Esszeiten richten usw. Prinzipiell eine nette Geschichte, aber wenn man sich mit Baby einfach mal ein paar entspannte Tage des nichts tuns gönnen möchte, dann ist die Selbstversorger Methode ein grauenhafter Fehltritt. Es bleiben einem zwar lästige Hotelgäste erspart, aber dafür hat man die gleichen Aufgaben wie zuhause zu verrichten.

 

Kochen, einkaufen, aufräumen - wie gesagt, war eine schlechte Idee in unserem Fall.

 

Am nächsten Morgen mussten wir also als erstes gleich einkaufen gehen, damit was essbares im Haus ist und uns in der Umgebung orientieren. Noch dazu hatte das Haus keine Klimaanlage (Hitzewelle in der Toskana, super danke) und so waren ab zehn Uhr vormittags unerträgliche Temperarturen in unserer Bude und wir mussten in Einkaufzentren flüchten um etwas Abkühlung zu bekommen.

 

Nachts lagen wir dann ausgestreckt, hechelnd im Bett, konnten kaum schlafen und waren tagsüber gerädert wie sonst was.

 

Fehler #3: Zu wenig Babynahrung eingepackt

Wenn man mit Baby in ein anderes Land reist, muss man einfach alles mögliche mitschleppen und am besten mehr als man glaubt, dass man brauchen wird. Mir gingen irgendwann nämlich das Fläschenmilchpulver und die Hipp Fruchtgläschen aus. Verflixt. Natürlich gab es dort auch was zu kaufen, aber wir mussten dafür sehr weit fahren (wir waren in einem Kaff gelandet = Fehler #4) und der Ersatz den wir bekamen, war anders als wir es kannten bzw. für unseren Kleinen wollten – überall einen Haufen Zucker drin.

 

Fehler #4: Ein Kaff als Urlaubsdestination auswählen

Es gab in der Nähe nichts familientaugliches was wir hätten unternehmen können. Also mussten wir immer ewig weit fahren, was widerum zu Gereiztheit aller Betreiligten führte.

 

Müde, genervt, gestresst und überhitzt zofften mein Partner und ich uns die meiste Zeit des Urlaubs. Na bravo. Die Vorwürfe überschlugen sich und keiner hatte mehr richtig Lust sich mit dem anderen zu unterhalten. Wir konnten den Urlaub einfach nicht genießen und für Zweisamkeit war nicht mal abends Platz, denn weil wir ja an das Haus gekettet waren, konnten wir nicht einfach los und gemeinsam ins Restaurant was essen, während wir unseren Sohn via Babyphon schlummern hören, sondern wir mussten uns noch selbst etwas kochen, saßen dann nur mehr da und freuten uns aufs Bett.

 

Am Ende der Woche empfanden wir den Gedanken nach Hause zu kommen mehr als Urlaub als die Zeit in Bella Italia. Ja gut, es ab auch ein paar feine Momente, aber im Großen und ganzen wars einfach anstrengend und hatte wenig von Urlaub.

 

 

 

 

 

 

Juni 2017. So. Ein Jahr später, etwas schlauer dank Erfahrung und Kind auch schon etwas größer gings los in den nächsten Urlaub.

 

Auf ein Neues!

 

Diesmal Hotel. Diesmal kindertaugliche Umgebung. Diesmal weniger Anfahrtszeit. Und das Wichtigste: diesmal weniger Erwartungen! Die Dinge so nehmen wie sie kommen, sich freuen was gut ist, akzeptieren was gerade einfach nicht geht.

 

Und Humor...der ja sowieso immer wichtig ist, auch (vor allem) daheim! ;)

 

Unser Urlaub dieses Jahr am Gardasee, war wirklich sehr entspannt und alle hatten was davon. Wir haben im Vorfeld dafür gesorgt, dass alles vorhanden ist, was wir so brauchen: kinderfreundliches Hotel, wo erstens Kinder erwünscht sind und zweitens auch ein paar andere Kinder zum Spielen da sind, mit Extras wie Spielplatz, Kinderpool, passende Verpflegung für das Kind und ganz wichtig: auch mit genügend Restaurantauswahl, damit wir, also die Eltern, abends in Babyphonreichweite einen romantischen Abend zu zweit verbringen können.

 

Zudem haben wir diesmal darauf geachtet, dass wir keine kaff-ähnlichen Zustände vorfinden und das möglichst viele Programmalternativen in der Nähe vorhanden sind, so dass man während des Urlaubs ganz spontan sein kann, wann man was machen will. Wir sind happy, wenn wir erst beim Frühstück, ganz ohne großen Plan entscheiden was wir tun wollen und einfach nach Lust und Laune wohin fahren.

 

Noch ein paar Tipps für urlaubshungrige Mamas:

  • Der Urlaub sollte im Vorfeld nicht nur auf Kinder-sondern auch auf Männertauglichkeit geprüft werden. Eine stinklangweilige Umgebung mit null Austob-möglichkeiten für Vater und Kind ist Gift für das Mutterentspannungsglück

  • Schon Mittags beim Essen am Meer/See ein Gläschen trinken – da kommt das Urlaubsfeeling von alleine ;)

  • Die Kontrolle einfach mal abgeben, die Männer entscheiden lassen, das ist zwar schwer aber irre entspannend

  • Sich mal bewusst abgrenzen und sagen morgen möchte ich nach dem Frühstück mal gerne eine Stunde ein Buch am Pool lesen. Dann kann sich der Partner schon drauf einstellen und sich ein Programm mit dem Kind/ den Kindern überlegen

  • Fünf gerade sein lassen – es ist ja bekannt, dass man im Urlaub als Paar schnell mal streitet und Unfrieden herrscht. Das liegt meist daran, dass man rund um die Uhr aufeinander klebt und jeder unterschiedliche Erwartungen/ Wünsche an den Urlaub hat. Bei unpassenden Meldungen, Sticheleien des Anderen, einfach auf Durchzug schalten bzw. nicht so ernst nehmen. Das spart viel Ärger.

 

Ich wünsche allen Mamas und ihren Familien einen schönen, lustigen und entspannten Sommerurlaub! Cool bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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